Alltagsliebe
Daniela Irle
27. Mai 2025
Wenn ich einmal anfange, gelingt es mir kaum aufzuhören: Die Gartenarbeit.
Eigentlich wollte ich nur endlich die Dahlienknollen eingraben und die neuen Beete feiern, die mein Mann angelegt hat.
Doch dann kam eins zum anderen und am Ende hatte ich einen riesigen Unkrauthaufen zusammengetragen. Die Scharfgarbe, die ich einmal liebevoll an zwei Stellen eingepflanzt hatte, war zu einer Bedrohung für andere Pflanzen geworden.
Es gab noch nicht einmal Raum für die Knollen, die noch ein Plätzchen brauchten.
Mit viel Elan riss ich also die an sich wertvolle Pflanze an unterschiedlichen Stellen aus und mühte mich mit dem verzweigten Wurzelwerk ab.
Ausreißen bedeutet auch zu lieben. Wenn ich alles wachsen lasse, was an sich nett und schön ist, kann sich nicht entfalten, was ich ursprünglich angelegt habe.
Am gleichen Abend bringe ich meine Mädchen zu Bett. Sie sind in vielem gleich und doch ganz anders. Jede will anders geliebt werden. Die eine muss ich mich mit Kraft und Hingabe kraulen, die andere möchte schon halb gekitzelt werden.
Die eine muss es unbedingt dunkel haben, bei der anderen muss das Fenster frei und am besten noch die Tür weit offenbleiben.
Bei den Jungs ist es natürlich nicht anders. Auch beim Essen freut sich der eine total über Pasta am besten mit Bolognese, der andere liebt alle Kartoffelgerichte.
Gott sei Dank kann ich mit Pizza allen gleichzeitig zu einem Highlight am Tag verhelfen – meinen Mann miteingeschlossen.
Ähnlich interessant verläuft die Pausenbrotplanung. Selten möchten zwei Kinder mal das gleiche mitnehmen. Aktuell haben wir die Diskussion, dass wir ja nur blöde Sachen mitgeben, während ALLE !!! anderen so viel Besseres mithaben. Ich frage nach und höre von Schokokeksen und anderen Leckereien. So richtig wollen meine Kinder nicht verstehen, dass es ein Zeichen meiner Liebe ist, ihnen nicht ständig Zuckerkram mitzugeben.
Genauso fällt es ihnen ab und zu schwer, die Erziehungsmaßnahmen bei unserem Hund verstehen. Er ist ja so furchtbar süß und soll am besten alle Freiheiten genießen, die sie selbst haben und ihnen ständig hinterherlaufen.
Es ist ein längerer Prozess anzunehmen, dass Grenzen zum Lieben dazugehören und es viel mehr Kraft und Energie kostet aktiv mit dem Wörtchen „Nein“ zu lieben, als alles einfach laufen zu lassen.
Was – egal um welchen Bereich es sich auch handelt – gleichbleibt, dass alles mit Hingabe verbunden ist.
Immer wieder neu zu entscheiden: Was liebe ich, wie liebe ich konkret, was kostet es mich dranzubleiben und zu lieben.
Dazu ist mir mein Garten jedes Jahr aufs Neue ein guter Lehrmeister und erinnert mich daran, dass auch Gott sich als Gärtner sieht, der sich mit Hingabe um uns kümmert.
Mehr Alltagstrubel?
Von kleinen Alltagstornados
Wie immer vor den Sommerferien fühlt es sich an, als ob allmählich ein kleiner Tornado, der mich durchgewirbelt hat, nachlässt und gleichzeitig immer wieder noch einmal kurz an Fahrt gewinnt… Erschöpft liege ich heute Abend auf der Couch und resümiere den vorletzten Schultag mit allen damit verbundenen Emotionen.
Aufmerksam
Wir hätten es eigentlich wissen sollen:
Shelties sind Hütehunde. Und ja… sie sind auch sehr kommunikativ. Warum wundert oder ärgert es mich also eigentlich manchmal, wenn er furchtbaren Alarm schlägt, sobald ein großer Traktor unser Haus passiert oder ihm irgendetwas bemerkenswert erscheint?
Er zeigt doch nur, dass er alles mitbekommt.
Mutig sein
Manchmal ist die mutigste Tat, etwas NICHT zu machen.
Ich liebe schon viele Jahre das Bilderbuch „Mutig, mutig“ von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer, indem sich ein paar Tiere zu mutigen Taten auffordern. So findet der Frosch ein Blatt zu fressen mutig, die Schnecke dagegen köstlich. Sie wagt sich dafür aus ihrem Haus heraus, herum und wieder hinein.
Der kecke Spatz am Ende verwirrt im ersten Moment die Freunde, indem er sagt, er mache nicht mit. Doch schließlich wird er als der Mutigste bejubelt.
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