Am Meer
Daniela Irle
26. September 2022
Es war eine eindrückliche Erfahrung. Ich hatte mir fest vorgenommen in diesem inzwischen vergangenen Sommerurlaub wirklich oft im Meer zu schwimmen.
Ich erinnerte mich, wie gut mir das kühle Wasser getan hatte, als ich mich einmal vor vielen Jahren abends im April in die dänische Ostsee gewagt hatte.
Nun war es Sommer, die Nordsee verhältnismäßig warm, der Fjord ruhig.
Und trotzdem kostete es Überwindung mich ins Wasser zu trauen.
Es war weniger die Frische als das Unvertraute, Unberechenbare.
Die Algen zum Beispiel. Oder die Feuerquallen.
Meine Kinder waren sich weitestgehend einig: Wenn man den Boden nicht sehen kann und wie tief es ist,
dann ist es zu unheimlich schwimmen zu gehen.
Meine Tochter begleitete mich zu meinem ersten Versuch, direkt im tieferen Wasser ohne Algen ins Meer zu steigen.
Sie stand am Steg und schaute mir zu.
Obwohl sie mir nicht wirklich helfen konnte, spendete mir ihre Gegenwart ein wenig Mut,
als ich die grünbewachsene Leiter am Bootssteg der Insel hinunterstieg.
Wenige Meter daneben war ein Schuppen, von dem die einheimischen Kinder und Jugendlichen mit Anlauf direkt ins Wasser sprangen. Das konnte ich mir gar nicht vorstellen.
Vorsichtig wagte ich mich an der Leiter tiefer, löste mich und schwamm.
Es war herrlich erfrischend, doch ich teilte das unheimliche Gefühl meiner Kinder
und wagte mich nur wenige Meter vom Steg weg.
Es blieb bei meinem letzten Versuch an diesem Steg.
Lieber wagte ich mich doch an den Meerespflanzen vorbei, dort, wo ich Boden spüren konnte und zumindest etwas besser abschätzen konnte, wie tief es unter mir werden könnte.
Etwas später hatten wir Norwegen mit seinen doch eher ruhigen Fjords verlassen und hielten an der dänischen Nordseeküste.
Meine Kinder liebten die Wellen – ich fürchtete sie etwas.
Als ich mich Schritt für Schritt in die Wellen wagte, bis ich die Kälte spüren konnte und mutig zu schwimmen begann, fühlte ich mich so lebendig wie selten und für Stunden erfrischt.
Ich sah den Wellen ins Gesicht und ließ mich von ihnen in die Höhe heben und wieder hinab.
Einmal mehr spürte ich Freiheit und Weite und das erhebende Gefühl vom Wasser getragen zu werden. Es erklärt sich von selbst, dass ich mich nicht weit vom Ufer wagte…
Während ich nachdenklich am Meeresrand stand, die Wellen beobachtete und den Sand zwischen meinen Zehen spürte, so glaubte ich zu hören, dass es für mich eine Allegorie für das Leben war.
Sich immer wieder ins Unbekannte wagen. Sich immer wieder dem frischen Neuen, der Wucht des Lebens stellen und vertrauen, getragen zu werden, wenn kein Boden unter den Füßen zu spüren ist.
Während ich nachdenklich vom Strand meinen Weg zurück zum Haus antrat,
hörte ich Worte aus dem folgenden Bibelvers in mir:
„Wenn du durch tiefes Wasser oder reißende Ströme gehen musst – ich bin bei dir, du wirst nicht ertrinken. Und wenn du ins Feuer gerätst, bleibst du unversehrt. Keine Flamme wird dich verbrennen.“ (Hfa, Jes. 43, 2)
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Alles begann 2018 mit einer Einladung zu einem Frauenfrühstück, bei dem das Bethelzentrum vorgestellt werden sollte.
Ursula dagegen war so ruhig im Gespräch auch mit der deutschen Botschaft und dem Regierungspräsidium in Deutschland, dass sämtliche Zuhörer am Telefon staunten. Sie hatte von Gott die für sie nötigen Zusagen und somit Zuversicht erhalten.
Gemeinsam mit ihrer Tochter bestanden sie darauf, dass sie Hilfe nur annehmen würden, wenn auf jede Form der Gewaltanwendung verzichtet werden würde.
Bei Gottfried ließ sich der Boss persönlich zu einem Gespräch mit ihm herab. Zunächst marterte er ihn mit Fragen nach Ursula und ob er sie liebe und nicht gerne hier bei sich haben wollte. Doch als der deutsche Gefangene ihm versicherte, dass er sein und das Leben seiner Frau in Gottes Hand wisse, wollte er doch mehr erfahren und selbst eine Geschichte hören.
Ohne groß nachzudenken, sprudelte aus Gottfried die Geschichte aus dem alten Testament von David, seinem Ehebruch mit der Frau Batseba, dem Mord an ihrem Mann und seinen Lügen heraus.
Als er an die Stelle kam, wo David vom Propheten Nathan zur Rede gestellt wurde, zeigte sein Finger auf den Boss persönlich, als er die Anklage zitierte: „Du bist der Mann!“
Alles verstummte entsetzt.
Doch kein Wutausbruch, keine Gewalt folgten. Sondern weiteres Interesse und Nachfragen.
Schließlich wurde das Lager geräumt und Gottfried wieder auf einen kleinen LKW verladen.
Weiter unten im Tal wurde weiterverhandelt und diskutiert. Erst sollte Ursula ganz allein kommen, was Gottfried zu verhindern suchte.
Schließlich erhielt diese die Erlaubnis im Auto eines Freundes gemeinsam mit diesem zum Treffpunkt zu fahren.
Einmal, zweimal fuhren sie in der Dämmerung die beschriebene Strecke entlang.
Von Gottfried keine Spur.
Als die Übergabezeit längst verstrichen und es stockdunkel geworden war, stellten die Verbrecher ein Ultimatum und erlaubten dem Entführten schließlich sich mit einem Zweig und einem Stück Karton allein an die Straße zu stellen. Der hatte immer wieder gebetet: Herr, stärke meine Nerven und meinen Glauben.“
Ein Auto nach dem anderen rauschte vorbei, bis zuletzt ein Wagen hielt.
Das abgesprochene Kennzeichen fehlte, doch Gottfried konnte die Stimmen zuordnen.
Endlich konnte er seine Ursula tränenüberströmt in die Arme schließen.
Gottes Zusage war eingetroffen: „Der Gefangene wird eilends losgegeben, dass er nicht sterbe und begraben werde“*.
Ich muss gestehen, dass ich eine solche Form von Krimi doch ganz spannend finde.
Natürlich auch, weil es gut ausgegangen ist, aber vor allem, weil Gottes Liebesspur überall zu finden ist.
So sind nun meine geblümten Tassen mit noch weiteren Erinnerungen behaftet und rufen mir die Treue und Verlässlichkeit Gottes umso mehr ins Gedächtnis.
*(https://www.bibleserver.com/LUT/Jesaja51LUTH., gefunden am 23.10.2023, 17:05h)
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