Aufmerksam
Daniela Irle
29. Mai 2026
Wir hätten es eigentlich wissen sollen:
Shelties sind Hütehunde. Und ja… sie sind auch sehr kommunikativ. Warum wundert oder ärgert es mich also eigentlich manchmal, wenn er furchtbaren Alarm schlägt, sobald ein großer Traktor unser Haus passiert oder ihm irgendetwas bemerkenswert erscheint?
Er zeigt doch nur, dass er alles mitbekommt.
Sucht man ihn bei schönem Wetter, findet man ihn häufig auf dem Balkon:
Die lange Nase durch die Geländerstreben gesteckt, aufmerksam den Garten, den gegenüberliegenden Wald, den Fußweg und das Nachbargrundstück beobachtend. Entspannt lässt er sich den Wind um die Nase wehen.
Doch sollte er irgendwie nur erahnen, dass für ihn etwas in der Küche abfallen könnte, er das Geräusch von einem Joghurtglas hört oder…, so ist er schneller an meiner Seite, als ich denken kann.
Falls jemand herzhaft zu lachen beginnt, oder sich liebevoll in den Arm nimmt, möchte er sofort dabei sein. Schwanzwedelnd ist er zu Stelle und fordert Aufmerksamkeit.
Besonders beeindruckt mich immer wieder aufs Neue, dass er meine Gedanken lesen kann: Ich brauche nur darüber nachzudenken, dass ich ihn auf einem kleinen Gang mitnehmen könnte, so schwänzelt er freudig erregt um meine Beine.
Also ab und zu wünsche ich mir auch so eine Aufmerksamkeit meiner Kinder. Vorzugsweise, wenn ich darüber nachdenke, dass jemand mir beim Wäsche aufhängen helfen und etwas aus dem Keller holen könnte.
Wenn ich etwas erkläre, (was sie nicht hören möchten) aber große Relevanz hat.
Denn dass sie die Fähigkeit aufmerksam zu sein theoretisch haben, ist für mich keine Frage.
In den letzten Tagen besuchten wir sehr spontan zu viert Freunde in der Nachbarschaft. Kurz bevor eine Torte serviert wurde, tauchte auch einer unserer Älteren auf, weil ihm langweilig wurde – als ob er es tatsächlich gerochen hätte.
Oder im Gespräch wird nur beiläufig der Name eines der Kinder erwähnt und in Sekundenschnelle erscheint ein fragendes Gesicht voller Neu- und Wissbegier.
Vor kurzer Zeit las ich, dass die (westliche) Menschheit seit der digitalen Revolution 2000 bei einer Aufmerksamkeitsspanne von acht Sekunden und damit unter der neunsekündigen eines Goldfischs liegt*.
Das gibt mir nachhaltig zu denken. Seitdem versuche ich mein Handy noch früher abends auszuschalten und noch häufiger tagsüber nicht zu beachten. Bewusst nicht so viel gleichzeitig zu machen und Pausen ohne schlechtes Gewissen zu genießen.
Als wir uns vor kurzem mit einem befreundeten Ehepaar abends trafen, wagten wir ein spontanes Experiment. Statt uns nonstop auszutauschen entschieden wir, eine Weile schweigend zu viert auf dem Balkon zu sitzen, bewusst zu atmen und zu lauschen.
Während wir die gemeinsame Stille – die im Grunde bei allen Geräuschen in der Natur und am Himmel keine war – genossen, streunerte der Sheltie friedlich zwischen unseren Beinen her.
Schließlich kann auch er wortlos kommunizieren, aufmerksam spürend, dass alles zur Ruhe kommt.
*(vgl. Comer, Mark John: Das Ende der Rastlosigkeit 2023, S. 53)
Mehr Alltagstrubel?
Mutig sein
Manchmal ist die mutigste Tat, etwas NICHT zu machen.
Ich liebe schon viele Jahre das Bilderbuch „Mutig, mutig“ von Lorenz Pauli und Kathrin Schärer, indem sich ein paar Tiere zu mutigen Taten auffordern. So findet der Frosch ein Blatt zu fressen mutig, die Schnecke dagegen köstlich. Sie wagt sich dafür aus ihrem Haus heraus, herum und wieder hinein.
Der kecke Spatz am Ende verwirrt im ersten Moment die Freunde, indem er sagt, er mache nicht mit. Doch schließlich wird er als der Mutigste bejubelt.
Schnell, schnell – der Schritt zu viel
Tap, tap – und zack. Das war der falsche Schritt.
Es war ein recht normaler Mittwochabend, eilig wollte ich eine meiner Töchter von einer Veranstaltung abholen. Schnell die die Treppe runter, dann zum Auto.
Dazu kam es jedoch nicht.
Zwischenzeit
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