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„Bei unseren Freunden sieht es immer ordentlicher aus.“

Daniela Irle

23. März 2021

Wir sitzen zu siebt am Küchentisch. Eine meiner Freundinnen ist zu Gast.
„Tja, du bist hier mitten im Gewusel“, sage ich zu ihr, während sich die Kinder für weißen oder schwarzen Reis entscheiden.

„Bei unseren Freunden sieht es immer ordentlicher aus, als bei uns.“ erklärt Emil sehr bestimmt. „Nicht bei allen.“, versuche ich zu vermitteln.
„Woran das wohl liegt?“, erwidert mein Mann mit Blick auf alle Kinder leicht sarkastisch.
„Ida und Max“ müssen jeden Tag alles sofort aufräumen, wenn sie gespielt haben“, stellt unser Großer fest.
„Und, möchtest du das auch?“, frage ich.
„Nein, auf keinen Fall!“, kommt es sofort wie aus der Pistole geschossen.
Es ist tatsächlich so unordentlich, wie es nicht bei jedem Besuch ist.

Zum Glück kenne ich meine Freundin schon lange und fühle mich entspannt und sicher,
wenn sie hier ist. Sie ist wirklich tolerant. Sie schafft sogar meine schwarze Mascara im Gesicht zu übersehen, die ich mir beim Zwiebelzerkleinern mit den Tränen verschmiert hatte.
(Erschüttert entdeckte ich das eine Weile nach dem Essen im Bad, als mich ein leicht entstelltes, müde aussehendes Gesicht im Spiegel betrachtete.)
Wäschekörbe standen im Wohnzimmer, andere Wäsche flatterte an verschiedenen Stellen auf dem Balkon rum, Bastelkram war auf dem Wohnzimmertisch verteilt und fast gleichmäßig auf dem Boden verteilt lag Playmobil.
Ich hatte meine Freundin ursprünglich am Nachmittag erwartet, am Tag zuvor hatten wir dann ein Treffen am Vormittag abgesprochen.
Da ich mich deutlich besser unterhalten kann, wenn ein Großteil der Arbeit geschafft ist, hatte ich mein Möglichstes versucht – offensichtlich vergeblich.
Zu voll war die Woche gewesen – zu viel war liegen geblieben.
„Egal“- hatte ich mir gesagt und einen Teil des Vormittags verbrachten wir einfach draußen und ließen die Unordnung im Haus allein.
Mag ich Chaos? Eher nicht.
Irgendwann habe ich mich gefragt, was mir wichtiger ist:
Entspannt Zeit für Menschen zu haben oder ein immer aufgeräumtes Haus zu haben.
So ganz leicht fällt mir die Entscheidung nicht jeden Tag und nicht bei allen Besuchern. Vorsichtshalber steht im Flur ein Schild: „Wir sind nicht perfekt- und wir tun auch nicht so.“
Nur mal so als Warnung – oder auch als Erklärung oder als Entschuldigung für mich.
Einmal – unser jüngstes Kind war erst wenige Monate alt, mein Mann unterwegs, durften zwei Freundinnen meiner älteren Tochter nach dem Kindergarten mit zu uns kommen.
Das hatte sich Lotta schon lange gewünscht und ich gönnte es ihr.
Die Mutter der Mädchen kam nach kurzer Zeit dazu und ich freute mich über unser wie immer lebendiges Gespräch.
Kurz bevor sie ihre Mädchen zum Heimgehen veranlassen wollte, nahm sie auf einmal mehr als mich und unser Gespräch wahr.
„Selina!“, „Leonie!“ Was habt ihr gemacht?“ rief sie entsetzt mit Blick auf die Unordnung auf dem Tisch.
„Entspann dich!“, beschwichtigte ich. „Das war alles vorher so.“
Meine Freundin hörte mir kaum zu und begann hektisch, den Tisch aufzuräumen.
Gemeinsam gingen wir in den ersten Stock, wo sämtliche Zutaten der Kinderspielküche verteilt auf dem Boden lagen.
Tatjanas Stimme wurde streng. „Selina, Leonie! Kommt sofort her!“
Ich besänftige erneut. „Glaub mir, das war alles schon vorher so.“
Tatjana hockte sich auf den Boden und sammelte den Kleinkram in Windeseile zusammen.
Ich wiederholte. „Tatjana, lass es einfach. Es war alles schon vorher so.“
Irgendwie drang ich nun langsam zu ihr durch.
Mit entgeistertem Blick starrte sie mich an: „Nicht dein Ernst, oder?!
Du hast ja die Ruhe weg.“, stieß sie hervor und ich wusste nicht so genau, ob das ein Kompliment sein sollte.
„Mir bleibt nichts anderes übrig.“, erklärte ich achselzuckend.
„Entweder ich lasse euch rein, wenn alles so aussieht, oder es kann halt keiner kommen.“
„Nee, oder?“, meine Freundin ist noch immer erschüttert.
Ich nehme es mit Humor und erkläre ihr, dass sie gern öfter zum Aufräumen kommen kann…

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