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Debbies Ride

Daniela Irle

22. April 2024

Es riecht nach Zwiebeln. Allen tränen die Augen. Ein Team von deutschen Jugendlichen steht zusammen in einer rumänischen Küche und schnippelt Zwiebeln. Gulasch soll es geben.
Jahre zuvor hatten Teams versucht, anderes Essen für Bedürftige Kinder und deren Familien zu kochen – keine Chance. Alle Rumänen lieben Gulasch.

Herztöne.-Lauschen-auf-den-Klang-des-Leben

Es ist Debbies erste Reise in dieses Land. Sie hatte schon zuvor von ihrem Vater einiges darüber erfahren, nun war sie selbst an der Reihe. Als Pfadfinderin und Teamleiterin der Royal Ranger in Deutschland hatte sie ein neues Abzeichen und die Erfahrung, ihren Sicherheitsbereich zu verlassen, gelockt.
Sehr spontan machte sie sich nach wenigen Stunden Schlaf am 1.1.2024 auf den Weg.

Alles war neu: Das Team, der Weg, die Unterkünfte, die Sprache, die Menschen.

Das entsprach nicht Debbies Grundbedürfnis nach Sicherheit. Im Gegenteil. Die ganze Aktion fühlte sich eher nach komplettem Kontrollverlust an.

Und dann als erstes bei der Anmeldung diese Frage: Hast du einen Führerschein?

Was? Sollte sie etwa die ganze Zeit durch ein fremdes Land ein großes Auto steuern? Eine gruselige Vorstellung.

Wie kam Debbie überhaupt auf die Idee, etwas für sie so Gewagtes zu unternehmen?

Ihr Weg dorthin begann, als sie noch selbst Kind war.
Ihre Eltern hatten sich getrennt, ihre vertraute Umgebung hatte sie gemeinsam mit ihrer Mutter und vielen Geschwistern verlassen und musste ganz neu anfangen. Es ging ihr nicht gut.
Als sie acht Jahre alt war, brachte ihre Mutter sie zusammen mit ihrem jüngeren Bruder zu den Royal Rangern, einer christlichen Pfadfindergruppe. Im Rückblick bezeichnet sich Debbie als ein anstrengendes Kind mit schlechter Selbstwahrnehmung.
Doch das zählte in der Gruppe nicht.
Was sie dort in der Gemeinschaft erlebte, war, dass sie als Person zählte. Dass sie gesehen und gehört wurde. Sie fühlte sich geliebt und angenommen trotz ihrer Schwierigkeiten.

Das führte über die Jahre zu einer totalen Veränderung für sie als Mensch.

Bis dahin, dass sie nun selbst eine Leiterin geworden ist mit einem großen Herzen für Kinder – besonders auch für die, die es nicht so leicht haben.

Dadurch, dass Debbie selbst erlebt hat, dass Veränderung möglich ist, ist ihr Glaube an Hoffnung für andere gewachsen.

Mit einem sogenannten „Ride“ erhalten die Pfadfinder die Gelegenheit, sich über ihre Teamgrenzen hinaus auszuprobieren und in anderen Menschen und Projekte zu investieren. Die Rides sind in unterschiedliche Stufen eingeteilt.

„Eine besondere Herausforderung stellt der 3-Sterne RIDE dar. Die Herausforderung liegt dabei weniger im zeitlichen Rahmen von 7–10 Tagen, sondern viel mehr im Erleben von anderen Kulturen und deren Nöte. Ein 3-Sterne RIDE hat zum Ziel Menschen in ihren Nationen zu helfen, durch internationale Hilfsaktionen, Unterstützung von Royal Rangers Stammposten im Ausland, Transport von Hilfsgütern, … Und gerade diese Erfahrung bedeutet nicht nur körperliche Anstrengung, sondern insbesondere auch die Erweiterung des eigenen begrenzten Horizonts für die Nöte der Welt.“

So wird die von Debbie gewählte „Ride-Stufe“ auf der Homepage der Royal Ranger beschrieben.

In der Tat wurde Debbies Horizont erweitert und gleichzeitig ihr Vertrauen in Gott gestärkt.

Das begann direkt schon mit der Autofahrt. Was hatte sie sich gesorgt, wie sie als eine von vier Autofahrern die weite Strecke meistern sollte. Vor Ort kam dann noch die Überraschung, dass es doch nur drei Fahrer für den VW-Bus waren. Und sie war schon zu Beginn so müde…

Am Ende zeigten sich alle Bedenken als hinfällig. Zwei ambitionierte Fahrer sorgten dafür, dass sie kaum am Steuer sitzen musste. Erleichterung machte sich breit.
Und stärkte ihr Vertrauen.
Das brauchte sie. Sie wusste nie, was am nächsten Tag eigentlich auf sie zukam.

Aber auch dort sorgte Gott gut für sie.
Immer wieder gab es Momente, wo sie zur Ruhe kommen und sich neu sortieren konnte. Das kannte sie von anderen Camps so nicht. Ihre Isomatte brauchte sie nicht zu benutzen, weil es für sie ein echtes und bequemes Bett gab. Das war ein großes Geschenk.

Gemeinsam mit den anderen Teammitgliedern, die sie zuvor nicht kannte, ging es darum, Kinder und ihre Familien in rumänischen Dörfern zu stärken.
Dies geschah durch unterschiedliche Aspekte:
Die Jugendlichen sangen und spielten mit den Kindern, bereiteten Essen und Getränke für die Kinder zu, spielten Theater für sie und gaben ihnen einen Input zu Gottes Liebe. Dazu gehörten auch die Geschenke aus Deutschland, die mit der Aktion „Strahlende Augen“ gesammelt worden waren. Schließlich wurde in Rumänien Weihnachten erst später gefeiert – so dass die Geschenke teil des Fests sein konnten.

Es war für Debbie sehr berührend zu beobachten, dass selbst eine Zahnbürste zu Freudenrufen führte. Sie stellte an jedem Ort fest, dass keine der Schachteln nur von einem Kind genutzt wurden. Alles wurde mit der ganzen Familie geteilt.
Einige der Familien wohnten mit acht Menschen in einem Raum. Besonders in einem Dorf war es sehr üblich, dass das erste Kind bereits von 14jährigen Mädchen empfangen und geboren wurde.  Überall waren unterernährte Kinder und Tiere zu sehen. In einem der Dörfer gab es für das ganze Dorf nur ein Plumpsklo.

Traurigkeit und Entsetzen über das Elend wollte sich in manchen Momenten bei Debbie breitmachen. Die Fernseher und Handys in den Häusern und teilweise Hütten aus Müll – aber ungewaschene Kinder und aus Verzweiflung zweckentfremdete Kleidung: Babymützen wurden als Putzlappen verwendet, während die Kinder in der Kälte ohne Kopfbedeckung herumliefen.
Und doch war die große Freude und Dankbarkeit der Kinder zu sehen und zu spüren, die die Traurigkeit vertrieb.
Es erfüllte die Jugendlichen mit Begeisterung, dass ihre kleinen Gesten zu so viel sichtbarem Unterschied in den Kinderaugen führten.
Ebenso berührte es Debbie zu erleben, wie das Lob Gottes die Atmosphäre veränderte. Es war richtig zu spüren, dass sich Engel in Bewegung setzten, als die Jugendlichen mit Liedern und Worten Gott den Allmächtigen, den Vater der Liebe und Fürsorge anbeteten.
Auch war nicht zu übersehen, dass sich Orte veränderten. Überall dort, wo Menschen an Jesus glaubten und über die Jahre auch Hilfe angenommen hatten, konnte Debbie einen Unterschied sehen. Die Häuser wurden größer und stabiler, die Menschen freundlicher und offener, die Kinder fröhlicher und besser ernährt.

Auch Debbies Herz hat sich durch den Ride verändert.
Sie ist bereit, Gott neu zu vertrauen. Sollte er sie fragen, ob sie mit ihm ins Ausland geht, um dort Menschen zu dienen, kann sie sich das inzwischen vorstellen.
Ich bin gespannt auf ihren weiteren Weg und sehr dankbar, dass sie Leiterin im Stamm der Royal Ranger meiner Kinder ist.
Vielen Dank auch an Debbie für Ihren Einsatz, unser Gespräch und alle Fotos!!

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