Der Becher
Daniela Irle
26. Juli 2023
Hast du schon einmal einen von Hannas handgetöpferten Bechern in der Hand gehalten?
© Foto: Daniela Irle
Nicht?
Dann lade ich dich ein, es einmal mit etwas Muße zu tun. Vielleicht macht es etwas mit dir.
Mir ging es zumindest so.
– Ganz unabhängig davon, dass ich mich augenblicklich in ihn verliebte und mir sofort einen zweiten kaufte, nachdem ich einen geschenkt bekommen hatte.
Je länger ich den Becher betrachtete, desto mehr hatte er mir zu sagen.
Zunächst fiel mir auf:
Der Becher besteht aus zwei Teilen.
Einem Glatten, Glasierten
und einem Rauen, Unglasierten.
Fährt man sachte tastend über seine Oberfläche, sind kleine Unebenheiten spürbar.
Er ist nicht perfekt,
aber trotzdem wunderschön für mich.
Wäre er nur glatt und blau,
hätte er auch seine Schönheit,
aber eine ganz andere.
Mir gefällt er, weil er so ist, wie er ist.
Mit seiner rauen und seiner glatten Hälfte.
Keiner kann die gesprenkelten Punkte noch einmal genau so auftragen,
wie sie aufgespritzt wurden.
Niemals wird eine Glasur genau an der gleichen Stelle einen geklecksten Farbverlauf haben.
Und kein anderer Becher wird je zur gleichen Zeit in den gleichen Händen getöpfert worden sein.
Der Becher liegt gut in der Hand. Er erfüllt seine Funktion,
wenn er gehalten ist.
Erst dann lässt es sich wirklich aus ihm trinken.
Und er muss immer wieder neu befüllt werden,
sonst hat er nichts zu geben.
Manchmal ist er so voll, dass alles automatisch überläuft und abgegeben und geteilt wird.
Manchmal fühlt es sich an, als wäre gar nichts mehr da.
Dann muss man tief in ihn hineinsehen, um den Inhalt zu finden.
Wird der Becher benutzt, fühlt er sich gebraucht und wertvoll, ja lebendig.
Steht er zu lange nur da, vergisst er manchmal, wofür er gemacht wurde.
Kommt ein zweiter Becher dazu, so wird unwillkürlich die Ähnlichkeit deutlich:
Farbgebung, Aufteilung in zwei Teile, beide müssen gefüllt werden,
beide fühlen sich einander zugehörig.
Doch bei genauerem Hinsehen, wird deutlich, dass nichts, aber auch wirklich nichts
genau gleich ist.
Jeder hat seine ganz eigene Schönheit und Eigenart.
Die beiden Becher können sich nahestehen, aber auch weit voneinander entfernt.
Treffen sie in liebevoller Begegnung aufeinander, entsteht ein neuer Klang.
Manchmal sehen wir Becher, die einen Sprung haben oder eine klaffende Lücke.
Wie gut, wenn Hilfe zur Stelle ist.
Hannas Becher stehen da in ihrer wunderschönen Einzigartigkeit.
Kannst du spüren, was sie in mir und vielleicht in dir zum Klingen bringen?
Ein kleines Aufmerken und Innehalten.
Und die Botschaft:
Du bist…
Einzigartig. Gehalten. Geliebt. Gebraucht.
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Falls du Lust bekommen hast, selbst einen solchen Becher in den Händen zu halten, so wende dich an Hanna Epting von der OJC. Dort finden regelmäßig offene Gottesdienste statt und unten im REZ lassen sich einige Becher-Unikate finden.
Schau doch mal auf die OJC – Seite. Es gibt eine Vielzahl an interessanten Angeboten.
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