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Flohwalzer und andere Späße…

Daniela Irle

16. Oktober 2022

Das haben wir nun davon. „Selbst schuld“, könnte man auch sagen.

Ich schreibe mit Noise-Canceling-Kopfhörern, um nicht schreiend aus dem Haus zu laufen,
während zwei Kinder Kazoo spielen und ein Ehemann sich ans Klavier gesetzt hat, um das fröhliche Summ-Trompeten zu begleiten oder vielleicht besser zu übertönen. 

Unsere Eltern müssen sehr tolerant mit uns gewesen sein. Alle Kinder – und das waren mindestens vier in beiden Familien, hatten geringstenfalls ein Instrument erlernt. Teilweise standen die Instrumente in Küche oder Wohnzimmer und wer übte, beschallte das ganze Haus.

Das hatten wir zum Glück vergessen, als wir unseren Kindern Instrumente zur Verfügung stellten. Zum Beispiel unser Klavier.

Nun kann das erste Kind den Flohwalzer spielen.
Nein, wir haben es ihm nicht beigebracht!
Soweit kommt’s noch. Er hat sich ein Tablet geschnappt und nach einem Youtube-Lern-Video selbst beigebracht.
Okay, zugegeben, ich habe ihm gesagt, wie das Stück heißt, als er mich bettelnd fragte, was denn das Lied wäre mit „Düdü dü dü dü…“.

Da er es beeindruckend rasch beherrschte, begann der Kampf gegen den Flohwalzer bereits am ersten Abend.

„Hör sofort auf!!“ „Hör SOFORT auf!“ HÖR auf!!“, HÖR SOFORT AUF!“

Nichts half. Das Kind musste vom Klavier weggezerrt werden, um dem älteren Bruder und den Eltern einen Nervenzusammenbruch zu ersparen.

Er versuchte es wieder und wieder. Vorzugsweise, wenn alle Familienmitglieder in der Nähe und vor allem Zuhause waren. Dann unglückliches Geheul: „Nie darf ich spielen. Immer verbietet ihr mir es!“

Ich war der Annahme, dass ließe sich nicht mehr steigern. Bis zum heutigen Tag.

Da waren wir mittags bei Freunden gewesen und nach dem Essen entwickelte sich eine kleine Jam-Session mit Gitarre, Kontrabass und Cajon. Nur ein kleines Mädchen jaulte, langweilte sich und versuchte den anderen den Spaß zu verderben. Da hatte unsere Gastgeberin den Einfall, ihr ein Kazoo in die Hand zu drücken.
Wem das kein Begriff sein sollte: Eine kleine Tröte*, die durch Hineinsummen funktioniert. Ein kleines Blättchen gerät dadurch in Schwingung und heraus schallt ein trompetenähnlicher Ton.
Mit einem Kamm und Butterbrotpapier lässt sich das Geräusch übrigens auch erzeugen. 

Da hatten wir den Salat. Eine hingegeben trötende Fünfjährige und einen geiernden älteren Bruder, der sowas auch unbedingt haben wollte.

Was taten wir also zu Hause? Wir holten unser erstes Kazoo heraus. Später auch das zweite.
(Ja, scheinbar heißt es tatsächlich „das Kazoo“… Entschuldigung an alle meine früheren Schüler, denen ich es bestimmt mit „die Kazoo“ beigebracht habe…).

Unsere Fünfjährige hatte ihre Tröte nämlich mitnehmen dürfen. Und im Auto hatten wir schon strenges Kazoo-Verbot ausgesprochen.

So, und wer denkt, dass der Flohwalzer sich nicht mehr steigern lässt, der hat es noch nie mit Kazoo-Begleitung gehört.
Also freut euch, liebe Leser, wenn euer Nachwuchstalent „nur“ den Flohwalzer beherrscht.
Das Klavier kann unser Musikgenie zum Glück nicht zum Herbstausflug bei der Tante mittragen.
Das Kazoo reicht.

Oder vielleicht nicht? Möglicherweise rächen wir uns für alle jemals laut geäußerten undurchdachten Tanten-Ideen und bringen sämtlichen Nichten und Neffen ein eigenes Kazoo mit. Hah!
Vielleicht bekommen sie den Flohwalzer so gesummt und mehrstimmig hin.
Und wir fahren dann schnell so lange woanders hin.

Wenn wir Glück haben, ist bis zu unserer Wiederkehr die ein oder andere Membran zerstört.
Wer weiß.

*Korrekt heißt es natürlich Membranophon…

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