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Hermine, die Welt und ich

Daniela Irle

13. August 2021

Vor einigen Wochen machte ein Sauerteig hier bei uns die Runde:

Hermine – manchen von früher als Hermann bekannt.

Herztöne.-Lauschen-auf-den-Klang-des-Leben

© Foto: Daniela Irle

Zu uns kam Hermine in einer kleinen roten Tupperschüssel und einer Anleitung zu dem Freundschaftskuchen:
Hermine muss sechs Tage gut gepflegt werden, mag keine Metalllöffel und braucht jeden Tag Zuwendung,
bis sie zu einem Kuchen gebacken werden kann.

Eigentlich gehörte die erste Hermine meinem Sohn Ben. Aber wie bei einem Haustier brauchte er auch ein wenig Unterstützung dabei. So rührte ich um, half beim Abwiegen, beim Hinzufügen der neuen Zutaten.
Und überlegte später mit, wer denn etwas von Hermine abbekommen würde. Denn Hermine muss am fünften Tag in vier Teile geteilt werden. Einen behält man selbst, drei verschenkt man.

Kaum hatten wir unsere Sauerteigbabys verschenkt, hielt die nächste Hermine bei uns Einzug. Ich rührte wieder,
fütterte mit Zucker, Mehl und Milch und überlegte, wie man das Endprodukt neu variiert verbacken könnte – und wer denn wohl gern einen Sauerteigteil geschenkt haben wollte.
Inzwischen wussten wir von einigen Familien, die Hermine schon zu Besuch gehabt hatten.

Während ich rührte, hinzufügte und backte beschäftigte mich das Prinzip des Teilens.
Und auch der Sauerteig. Der kommt sogar über zehnmal in der Bibel vor.

Eine Stelle knöpfe ich mir vor:

„Wie kann ich das Reich Gottes noch beschreiben?
Es ist wie Sauerteig, den eine Frau zum Brotbacken verwendet.
Auch wenn sie eine große Menge Mehl benutzt, durchdringt der Sauerteig den ganzen Teig.“
Lukas, 13, 20-21 (NLB)

Wir beten im Vater unser: „Dein Reich komme, dein Wille geschehe…“

Und so überlege ich: Was möchte Hermine mir dazu sagen?

Hermine muss am ersten Tag nur umgerührt werden und einfach bei Raumtemperatur stehen.
Sie darf sein.
Ich erinnere mich: Ich darf bei Gott sein. Ich muss nichts machen, damit er mich liebt.
Er tut es einfach. Und kümmert sich um mich. Ich darf es aushalten und annehmen.
In welcher Umgebung gelingt mir das Sein und Liebe empfangen am besten?

Hermine muss mit Mehl, Zucker und Milch vor dem Teilen gefüttert werden.
Womit füttere ich mich?
Wem höre ich zu?
Mit wem verbringe ich meine Zeit?
Was tut mir gut?

Jesus gebraucht neben dem Sauerteig auch das Bild des Wassers, das dafür sorgt, dass es mir gut geht.
(Hermine kann auch durchaus schlecht werden, wenn man vergisst sie zu füttern. Sie wird richtig sauer… )

Was hält mich frisch und lebendig?

Im Alten Testament lese ich im Blick auf Jesus:
„Auf, ihr Durstigen, kommt zum Wasser!
Geht los, auch wenn ihr kein Geld habt. Geht, kauft Getreide und esst.
Wer kein Geld hat, versorge sich kostenlos mit Korn. Geht hin und besorgt euch Wein und Milch, ihr braucht nicht zu bezahlen. […] Hört zu und esst Gutes und eure Seele wird satt werden.
Kommt zu mir und sperrt die Ohren auf! Hört mir zu und eure Seele wird leben. Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen. Er soll so verlässlich sein, wie die Gnade, die ich an David bewiesen habe.“ Jes. 55, 1-3 (NLB)

Auch Hermine könnte man ewig weiterfüttern, sollte man das mögen und immer wieder Zutaten dafür haben. 
Allerdings mag ich Hermine nicht auf ewig.
Eigentlich schon nach drei oder vier Durchgängen nicht mehr…

Bei Gott und seinem Reich geht mir das anders. Ich kann nicht genug davon bekommen.
Manchmal reicht mir ein Bibelvers am Tag oder ein Lied, das mich begleitet.
Oft ist genau der richtige Mensch an meiner Seite und stärkt mich.
Oft fällt mich genau im richtigen Moment das passende Buch in die Hände.
Und manchmal lese ich ganze Bücher der Bibel am Stück, weil ich so gefesselt bin.
An manchen Tagen bin ich überwältigt und dankbar für die Schönheit in der Natur.
Manchmal schaue ich einen Film – und Gott spricht auch dadurch zu mir.
Ich singe allein oder mit anderen, ich feiere Gottesdienst.
Wachstum im Reich Gottes hängt für mich stark mit Beziehungen, echten Freundschaften, ein Leben in gelassener Ruhe und Spaß am Leben zusammen.

Es ist wie bei Hermine ein Wechselspiel zwischen Sein, Nehmen und Geben.
Durch mein Sein und Gestärkt-werden bei Gott, kann ich andere stärken.
Dann kann ich mit anderen lachen, zuhören, helfen, für andere beten.

Hermine wird nicht gleich an die ganze Welt verteilt. Nur an drei.
Auch das macht mir Mut. Ich muss nicht gleich die ganze Welt verändern. Ich fange bei mir an.
Und dann verschenke ich an drei weitere…

Wo erlebst du im Alltag, dass Gott dich liebt und sich um dich kümmert?
Woher bekommst du gute Zutaten und Stärkung?
Und was gibst du an andere weiter?

Ich wünsche dir von Herzen frisches Wasser für Körper, Seele und Geist.
Himmlische Nahrung und das Vertrauen, dass sich der Vater im Himmel um dich, ja dich, ganz persönlich kümmert. Und dass das Reich Gottes so weiterwächst.

P.S. Übrigens ist „NLB“ eine Abkürzung für: Neues Leben Bibel.
Diese Übersetzung ist modern, nah am Urtext und macht zumindest mir Spaß zu lesen.

 

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