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Neue Wege

Daniela Irle

18. September 2025

Es ist Sonntagmorgen. Gottesdienst in unserer kleinen Gemeinde. Ein mir unbekanntes etwa fünfjähriges Mädchen bewegt sich selbstbewusst und friedvoll vorne im Gang zur Musik. Völlig selbstverständlich nimmt sie eine der schimmernden Flaggen und schwingt sie voller Hingabe.

Das Mädchen ist Romy.
Sie strahlt Ruhe und Freude gleichzeitig aus.

Später lerne ich ihre Mama, Pia, kennen.
Aus ihr sprudeln Begeisterung und ganz viel Energie für ihre Herzensthemen.

Wie ist sie dazu gekommen und was hat sie veranlasst, sich auf neue Wege zu begeben?

Neue Wege

Angefangen hat alles mit einer Geburt – oder auch zweien.

Die erste war, zu erkennen, dass Religion etwas anderes ist als die Beziehung zu Jesus und der wahrhaftige Glaube an ihn. Ein aufgeklebter Bibelvers an einem Handschuhfach zeigte ihr den Weg zu einem Alpha-Kurs (Glaubensgrundkurs für suchende Menschen) und wie eine echte Verbindung zu Jesus möglich ist.
Im Kurs erlebte Pia, wie real der Heilige Geist spürbar ist. Wie damals in der Apostelgeschichte spürte sie etwas wie Feuer, das jede ihrer Zellen erfüllte und sie ganz tief in ihrem Herzen ergreifen ließ: Ohne Jesus kann ich nichts tun.
Ab da wuchsen in ihr ein neues Verständnis für die Bibel und sie begann Gottes Reden in ihrem Alltag wahrzunehmen und zu erkennen, wie er schon ihr ganzes Leben eine Verbindung zu ihr gesucht hatte.

Gemeinsam mit ihrem Mann ging sie ihren Weg weiter.

Herbst 2018. Glücklich stellten sie nach einer Weile fest, dass Pia schwanger war. Was für eine Freude!
Wie das Kleine wohl aussehen und wie sich ihr Leben wohl verändern würde?
Als gelernte Arzthelferin tat Pia alles brav, was empfohlen wurde. Ging zu allen Checks zum Arzt, immer mit dem Fokus: „Man muss ja schauen, ob alles gut ist.“
Erst später hinterfragte Pia diese Denkweise.

Die Schwangerschaft verlief völlig unauffällig, Mutter und Kind ging es hervorragend. Schließlich kam der Tag, an dem die Wehen einsetzten. Rasch kamen sie alle zwei bis drei Minuten. Puh,… jetzt schnell zur Klinik fahren? Eigentlich wollte nichts in ihr sich in das Auto setzen.

Doch es ging schließlich um die Sicherheit des Babys.
Im Krankenhaus angekommen, wurde in ihrer Akte vermerkt: Patientin kommt sehr gut zurecht.

Die Wehen veränderten sich, Pia spürte den Drang zu pressen.
Die Fruchtblase wurde aufgestochen.
„Oh, das Fruchtwasser ist etwas grün.“
Rasch wurden Antibiotika gespritzt. Ein CTG wurde neu angelegt, doch es zeigte nicht das gewünschte Ergebnis.
„Wir würden gern eine Elektrode am Kopf ihres Kindes befestigen, um die Herz- und EKG-Signale überwachen zu können.“

Pia hatte starke Schmerzen, die Wehen kamen unverändert. Da war keine Kraft, keine Gelegenheit herauszufinden, ob sie das wirklich wollte. Sie vertraute dem Handeln der Ärzte.

Dass letztlich ein Fremdkörper mit einer Minischraube in den Kopf ihrer Tochter gebohrt wurde, wusste sie nicht.

Die Schraube hielt jedoch nicht.

Es kam zum Geburtsstillstand.

Ihre Tochter brauchte offensichtlich eine Pause.

Rasch wurden jedoch Wehen Förderer gegeben.

Ein wahrer Wehensturm überrollte Pia. Unfassbare Schmerzen. Schreien. Weinen.

Dann ging alles schneller als man blinzeln konnte.

Das Gegenteil wurde versucht. Wehenhemmer, die auch bei doppelter Dosis nicht die erwünschte Wirkung zeigten.

Trotz Wehenhemmer waren die Wehen so, dass Pia begann zu pressen.

Mittenhinein plötzlich der laute Ruf des Oberarztes: „JETZT“

Der Anästhesist handelte augenblicklich.

Pia hat keine Chance sich zu wehren. Sie bekam nichts mehr mit.

Vollnarkose.

Notkaiserschnitt.

„Machen Sie ein Video von ihrem Kind, damit Ihre Frau nachher die ersten Sekunden und Minuten ihres Kindes nachverfolgen kann“, wurde ihrem Mann nahegelegt.

Er gehorchte.

Die kleine Romy war geboren.
Überforderung.

Pia versuchte nach dem Erwachen zu stillen. Die Kleine war sehr schläfrig. So müde. Sie hatte einen Schnuller bekommen und ein Fläschchen.

Drei Wochen nach der Entbindung musste Pia noch einmal ins Krankenhaus. 48 Stunden lang konnte sie nicht stillen. Die Saugverwirrung der kleinen Romy war nun vollständig.
Stillen war unmöglich geworden.

Neue Wege

Dann begann eine Zeit, die mit dem Stichwort „Corona“ bei jedem Menschen andere Assoziationen wachruft.

Gefühle kamen bei Pia während des Lockdowns hoch. Trotz aller Freude und Dankbarkeit über ihr kleines Mädchen fühlte sie schmerzhaft: Mit dieser Geburt war sie nicht ganz fein.

Ihr wurde gesagt, sie habe halt kein gebärfreudiges Becken. Sie habe zu viel Gewicht.

Schuldgefühle tauchten auf. Sie, Pia, hatte also den Werdegang dieser Geburt zu verantworten. Sie war eben nicht „gut genug“ gewesen für eine normale, unkomplizierte Geburt.

Ihr Becken wurde ausgemessen, als sie 2021 ein zweites Mal schwanger wurde. „Oh der Kleine ist ja noch größer als ihre Erstgeborene.“

Alternativlos wurde der Kaiserschnitt geplant.

Ihr Sohn kam auf die Welt.

Neue Gedanken machten sich breit: Kann ich überhaupt gebären? Möchte ich noch eigene Kinder haben? Sollten wir vielleicht lieber ein Kind adoptieren?

Mitten in diese Zeit des Grübelns und Zweifelns kam es zu einer Begegnung auf dem Spielplatz. Eine andere Mutter empfahl ihr, mal bei Instagram zu dem Thema Geburt zu recherchieren.

Ein Buffet an Meinungen, Erfahrungen und Wissen tat sich für Pia auf.

Erste Erkenntnisse sackten.

Was, wenn es gar nicht ihre Schuld war, dass die erste Geburt so verlaufen ist?

Was, wenn Frauen einfach generell gebärfähig geschaffen wurden, es so etwas wie „zu dick“ und „zu enges Becken“ eigentlich nicht gab und nur verschwindend wenig Fälle eine Ausnahme darstellten, in denen es Interventionen brauchte…

Was, wenn es unverarbeitete Traumata waren, die für Schwierigkeiten sorgen konnten…

Und dann eine weitere Herausforderung. Ein Retreat für Mütter wurde angeboten. Ohne christlichen Hintergrund mit vermutlich für Pias Werte grenzwertigen Elementen.

Und doch die klare Stimme in ihrem Ohr: „Geh dahin.“

Diese Stimme kannte sie gut. So sprach Gott, der Vater, zu ihr.

Echt jetzt? Dahin?

Das wäre ein wirklich interessanter Weg.

Sie machte sich auf den Weg. Als kleines Licht mitten hinein in eine Versammlung esoterischer Praktiker.

Tatsächlich fiel sie auf. „Was machst du hier als Christin?“, wurde sie gefragt.

Doch Gott ist größer.

Pia wusste, wobei sie sich beteiligen und mitmachen konnte und wobei nicht. Sie fühlte sich von Gott geleitet und begleitet.

Bei einer Übung kam eine tiefe Erkenntnis hoch. Ein Satz, den sie nicht verstand. Den sie während Atemübungen plötzlich ganz klar in ihrem Inneren wahrnahm.

„Ich vermisse meine Mama.“

Das war seltsam. Ihre Mutter war am Leben. Sie hatten guten Kontakt zueinander.

Es war, als ob Gott sie drängte, der Antwort auf die Spur zu kommen. Er ließ sie nicht los, bis Klarheit einkehrte.

Sie analysierte die Beziehung zu ihrer Mutter – doch nichts wollte sich erinnern lassen. Eine Vermutung kam auf. Was, wenn es so früh gewesen war, dass eine bewusste Erinnerung nicht möglich war?

Im Gespräch mit ihrer Mutter fand sie, wonach sie suchte.

Als sie drei Wochen alt war, musste ihre Mutter eine Woche in der Klinik verbringen. Das kleine Baby Pia war bei ihrem Papa, Stillen war nicht möglich.

Aufgrund ihres neu angeeigneten Wissens rund um Schwangerschaft und Geburt wusste Pia, dass Mutter und Kind für eine lange Zeit in einer Symbiose leben. Ist ein Baby im Zeitraum von vier Monaten von der Mutter länger getrennt, entwickelt es Todesangst.

Oh!

Diese Erkenntnis einer tiefen Mutterwunde wurde der Auftakt zu einem noch andauernden Heilungsprozess.

Tränen flossen beim Lesen und beim Hören von Podcasts.

Gleichzeitig hörte sie in aller Deutlichkeit Gottes Ruf für sie, einen neuen Weg einschlagen zu sollen. „Mach was völlig anderes!“

Heute ist Pia „Birthkeeperin in Christ“, Doula, eine Wächterin der Geburt und inzwischen auch dabei „Breastkeeperin“ zu werden.
Es ist ihr zu eigen geworden, Systeme zu hinterfragen und neue Wege zu finden, doch dabei die Menschen in den Systemen zu achten, zu respektieren und zu wertschätzen.

Ihr Herzensanliegen ist, Frauen zu helfen in ihrer Identität als Tochter Gottes zu ruhen und Freude auf und bei der Geburt zu empfinden.
Sie vertraut dabei voll und ganz auf einen guten Schöpfergott, der den Körper als eine Trinität von Körper-Seele und Geist voller Gespür geschaffen hat.

„Meine von der Bibel inspirierte Arbeit ermutigt Dich, Ängste zu überwinden und Dich von jeglichen Hindernissen, die zwischen Dir und Deinem Baby stehen könnten zu BEFREIEN!“

So schreibt sie auf ihrer Homepage: www.befreitegeburt.de

Dort und auch unter pia.marleen.schulz bei Instagram kannst du sie besser kennenlernen.

Falls es für dich Zeit ist, einen neuen Weg einzuschlagen, kann dir das Gebet hier vielleicht helfen.

Annette und Matthias Lauer - Von unserem Weg zu und mit Pflegekindern

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Der November ist da und meist genauso trüb wie die Jahre zuvor. Nur noch wenige Blätter leuchten gelb und die Seele sehnt sich nach Farben und Licht. Die Weihnachtszeit mit ihren Lichtern ist noch nicht angebrochen und es fühlt sich nach Zwischenzeit an.
Für viele Menschen ist es jedoch nicht nur Zwischenzeit, sondern auch Wüstenzeit.
In Deutschland ist es die kalte Jahreszeit – auch in der Wüste kann es eisig werden.

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