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Sahras Kleid

Daniela Irle

21. Dezember 2022

In letzter Zeit gab es genug Herausforderungen.
Ständig kranke Kinder, viel zu tun und viele Fragen. Auch die zugegeben sehr profane Frage, welche Geschichte hier bei Himmelsdraht die Passendste vor Weihnachten sein könnte.
Der Dezember hielt Einzug und noch immer wollte sich keine überzeugende Idee einstellen.
Ich fragte Gott, hielt es ihm hin und wartete.
Am 12. Dezember poppte auf einmal eine überraschende Nachricht im Posteingang auf.
Eine Sarah leitete mir ihre Freude über ein Ereignis weiter,
das sie wenige Tage zuvor erlebt hatte.
Ich las mit Begeisterung und wusste sofort, dass diese Geschichte für mich und euch hier als Freude und Ermutigung gedacht ist.
Inzwischen haben Sarah und ich mit viel Begeisterung telefoniert und unsere gemeinsamen Verbindungen gefeiert. Und nun darfst du das daraus resultierende Geschenk schon vor Weihnachten auspacken und ihre Geschichte lesen.
Es ist die Geschichte von einer Mutter, die alles für ihr Kind tun würde, es auch getan hat und sich selbst dabei fast vergessen hat:

Wer kennt es als Mutter nicht?
Die Kinder kommen und es bleibt für so vieles keine Zeit mehr. Alle fordern und möchten Aufmerksamkeit, die eigenen Bedürfnisse rücken in den Hintergrund.
Für Sarah kamen mit ihrem zweiten Kind noch zusätzliche Herausforderungen hinzu.
Ihr kleines Himbeerkind* musste, als sie ein halbes Jahr alt war,
für zwei Wochen in die Kinderklinik.
Wer schon einmal mit seinem Kind einen Klinikaufenthalt hatte, weiß,
wie anstrengend das sein kann:
Überall piepende Geräusche, Unruhe auf den Fluren, ständig neue Menschen in den Zimmern, die begleitenden Sorgen, teilweise ruppige überarbeitete Pfleger und kurzangebundene Ärzte, die sorgende Eltern als lästig empfinden.
Sarah und ihrem Säugling ging es nicht anders.
Sie erlebten die Klinik zusätzlich zu Coronazeiten, so dass die Zeit des kleinen Himbeerkinds in der Klinik mit einem äußerst unangenehmen Rachenabstrich
und andauernder Isolation vom Rest der Familie begann.
Die unzähligen Einstiche und Spritzen, immer wieder erzwungene Trennung von der Mama, laute ungehaltene Stimmen, Kindergeschrei Tag und Nacht, schimpfende verzweifelte Eltern, neue Kanülen, fremde unheimliche Menschen und Geräusche, unangenehme Gerüche – gefühlt unendlich weit weg von zu Hause – machten der Seele des kleinen Himbeerbabys
sehr zu schaffen.
Es führte dazu, dass das ohnehin schon sehr anhängliche kleine Baby sich nach dem Klinikaufenthalt voller Angst
Tag und Nacht an ihre teilweise verzweifelte Mutter Sarah klammerte.
Sarah führte ein Leben wie eine Kängurumutter mit einem Dauerjungen.
Nie ohne ihre kleine Tochter.
Nicht einmal den Papa konnte die Kleine aushalten. Ohne ihre Mama hatte sie Todesangst.
Jeden Tag hatte Sarah ein kleines Kind auf sich. Wochenlang, Monatelang. Über ein Jahr lang.
Tapfer trug Sarah ihr kleines Mädchen und litt:
Darunter, dass ihr oft die Hände gebunden waren, dass sie nicht für ihren Mann und ihre ältere Tochter da sein konnte, dass sich das Leben drastisch verändert hatte.
Oft schmerzte ihr Rücken, oft kam sie nicht zum Essen, oft fragte sie sich,
wann sie mal einfach schlafen oder duschen könnte.
An shoppen, selbst im Internet war nicht zu denken. Selbst dafür fehlte Sarah jegliche Kraft. Anprobieren war anstrengend, alles durchsortieren, wieder einpacken – zurückschicken.
Und das Gefühl, wenn nichts passen wollte. Sie ließ es lieber.
Auch wenn ihr etwas Neues so gutgetan hätte.
Sarah trauerte auch um viele Beziehungen.
Denn die kleine Himbeere konnte selbst auf Sarahs Arm nicht ohne ängstlich zu weinen
das Haus verlassen.
Unbekannte Gerüche, Geräusche und andere Menschen waren für sie furchteinflößend.
Über ein Jahr gab es für Sarah keine Möglichkeit einzukaufen oder auch nur andere Menschen zu besuchen. Selbst fremde Menschen in der Wohnung konnte das kleine Mädchen schier nicht ertragen.
Beim Klang der Klingel schon schreckte die Kleine panisch auf
und schrie in äußerster Not.

Sarah war dadurch sehr einsam. Aus Liebe zu ihrer kleinen Tochter schaffte sie es, diese lange Zeit der Isolation zu überstehen.
Und weil Gott an ihrer Seite war. Der Gott, der auch in der Klinik bei allem dabei gewesen war und ihr immer wieder das Gefühl gegeben hatte, gehalten zu sein.
„Vertraue mir!“, so forderte er sie immer wieder liebevoll auf.
Sarah hatte Gott als einen liebenden Vater kennengelernt, der tiefe Wunden in ihrem Herzen geheilt hatte. Die Wunde der Ablehnung zum Beispiel. Schließlich hatte ihr eigener Vater sie nicht einfach so geliebt. Dieser hatte sie nur benutzt, um ihre Mutter zu erpressen.
Als das nicht gelang, war Sarah ihm völlig egal. Auch von Vätern danach wurde sie im Stich gelassen.
Der gleiche Gott, der ihr nun geholfen hatte, war es auch, der sie aus der tiefen Nacht der Depression mithilfe anderer Menschen und vor allem einer wunderbaren Therapeutin herausgeführt hatte.
Der gleiche Gott, der ihrem Leben Sinn, Würde und Halt gegeben hatte.
Nie zuvor hatte Sarah erlebt, dass sie von einem Vater schön gefunden wurde und dass er sich um sie kümmerte.
Sarah wusste jedoch, dass sie Gott als ihren Vater um alles bitten durfte. Und sei es noch so winzig.
In diesem Dezember erlebte Sarah, dass Gott sich bei einem Herzenswunsch noch nicht einmal bitten ließ.
Himbeerkind war nun zwei Jahre alt und die allerschlimmste Zeit lag hinter ihnen.
Die Kleine hatte die schlimmsten Ängste abgelegt konnte es inzwischen für kurze Momente auch ohne Sarah aushalten.
So brachte Sarah an einem Dezembertag den Müll heraus. Und da war es wieder.
Das gleiche Bild vor ihren inneren Augen.
Es malte sich gleichsam wie am Abend zuvor völlig aus dem Nichts in ihre Alltagsgedanken.
Das Bild von einem grün schimmernden Samtkleid.
Nur, dass es nun deutlicher zu erkennen war:
Nicht nur Farbe und Stoff zeigten sich, sondern auch klar umrissen der Schnitt.
Ein perfekter Schnitt für Sarah. Sie hätte sich keinen besseren vorstellen können.
„Oh, ein Kleid…“, träumte sie lächelnd vor sich hin, als sie wie beseelt mitten im Gehen innehielt.
Ein Kleid für meinen Geburtstag… Gott hast du dir dieses Kleid für mich ausgedacht?
„Ich habe den Eindruck, du möchtest mich beschenken. Ok, dann führe mich zu diesem Kleid“, sprach sie entschlossen laut aus.
Sie konnte sich schon gar nicht mehr erinnern, wann sie zuletzt ein Kleid anprobiert, geschweige denn gekauft hatte. Ihr Kleiderschrank sah seit langem schon trostlos aus und vieles wollte auch nicht mehr so recht passen.
Aufgeregt wagte sie sich an die Recherche und gab einfach im Suchfenster ein: „Kleid, grün, Samt“.
Es ging ganz leicht.
Direkt als erstes wurde ihr ein schimmerndes Kleid angezeigt.
Ein Kleid, das genauso aussah, wie in ihrem göttlichen Gedankenblitz. Alles stimmte perfekt:
Farbe, Stoff, Schnitt. Sogar die Farbe.
Die war eigentlich nicht grün, sondern petrol gewesen. Genau wie das abgebildete Kleid.
So einfach, so leicht!

Sarahs Herz schlug aufgeregt. „Ihr Kleid! Ihr von Gott ausgesuchtes Kleid. War es verfügbar?“
Eigentlich wusste sie sofort, welche Größe passen musste. Doch da war ein klein wenig Zweifel.
Was, wenn doch nicht? Und der Preis? Bezahlbar, auch wenn sie sich selbst das fast nicht traute zu gönnen.
Unglaublich. Fast zu schön um wahr zu sein.
Sie schaute auf die Lieferzeit. Bis zu acht Tage konnte es dauern.
Doch ihr Geburtstag war schon am Sonntag, in nur sieben Tagen. Und es müsste spätestens Samstag ankommen. Und das bei dem Weihnachtstrubel… Und an ihrem Geburtstag war das Familienkonzert, auf das sie sich schon so lange gefreut hatte und für das ihr noch ein passendes Kleidungsstück fehlte.
Als Geburtstagswunsch hatte sie Freunde dorthin eingeladen, um mit ihnen bei Gospelmusik ihren Geburtstag etwas zu feiern.
Sarah bestellte. Und nur zur Sicherheit in zwei Größen.
Die nächsten Tage waren aufregend. Mal überwog die Vorfreude. Mal der Zweifel.
War es wirklich Gott mit dem Kleid gewesen? Was, wenn es doch nicht rechtzeitig ankäme?
Schließlich kam der Samstag. Und es wäre sehr seltsam, wenn hier die Geschichte nun ein enttäuschendes Ende hätte.
Natürlich kam das Paket. Doch nicht nur das. Das Kleid war wie ein Geschenk eingepackt.
Als Sarah es anprobierte, passte es wie maßgeschneidert. Wunderbar anschmiegsam, mit silbernen Fäden durchwoben. Fast wie im Märchen Sterntaler… Wie eine echte Königstochter fühlte sie sich.
Sie, die von ihrem leiblichen Vater nie liebevolle Zuwendung erhalten hatte.
Und als ob das nicht genug wäre.
Der Sonntag kam und Sarah konnte in dem wunderschönen Kleid das Konzert besuchen.
Es umschloss sie angenehm schmeichelnd und gab ihr das Gefühl wunderschön zu sein.
Ein Gefühl, das sie schon sehr lange nicht mehr empfunden hatte.
Am liebsten hätte sie es jedem zugerufen:
„Schaut her! Dies ist das Kleid, das mir mein himmlischer Papa ausgesucht hat!“ Für Sarah war das Kleid wie ein Zeichen ihrer göttlichen DNA, ihre Zugehörigkeit zu Gott selbst.
Die Freunde, die sie begleiteten, hatten ihr einen ausgewählten Gutschein schenken wollen. Leider war damit alles Mögliche schief gegangen, so dass sie mit etwas schlechtem Gewissen ihr Geld statt des geplanten Gutscheins überreichten.
Als Sarah es später öffnete, stellte sie fest, dass es fast auf den Euro genau der Betrag war, den das Kleid gekostet hatte.

Was für ein Geburtstag!

Dankbar, erleichtert und froh, lag Sarah abends im Bett und ließ diese außergewöhnlichen Tage im Geiste noch einmal vorüberziehen. Und weil sie ihre Freude unbedingt teilen wollte, landete ihr Erlebnis über einen Umweg einen Tag später in meinem Posteingang.

Sarah und ich wünschen dir, die du eben diese Geschichte gelesen hast, dass du Gott auch so erlebst. Als den Vater, der dein Herz kennt und sich um dich kümmert. Dem du nicht egal bist und der dich schon immer gewollt und geliebt hat. Auch da, wo du vernachlässigt worden bist und nicht so behandelt wurdest, wie es für dich gut gewesen wäre.
Denn unser Gott ist der, der sich für uns klein gemacht und sich unserer Welt angepasst hat.
Er weiß, wie es sich anfühlt, abgelehnt zu werden. Er weiß, wie sich Kälte, Unsicherheit und Schmerz anfühlen. Und er weiß, was dein Herzenswunsch gerade jetzt ist. Er ist der Immanuel, der Gott mit uns.

Frohe Weihnachten!

Vielen Dank, liebe Sarah, für deine Geschichte und die Fotos!

Mehr Erinnern und Bewahren?

Alles bezahlt!

Alles bezahlt!

Wir beide mussten weinen, als ich ihr vorlas, was ich über unser gemeinsames Erlebnis geschrieben hatte…

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