Überraschung am Morgen oder Just in time
Daniela Irle
7. Januar 2022
Ich hatte eigentlich ein bisschen schlechte Laune.
Die Winterdunkelheit machte mir zu schaffen und ich fühlte mich seit Tagen müde. Als ich morgens in die Küche kam, war die Spülmaschine noch nicht ausgeräumt und die zu faltende Wäsche türmte sich im Wohnzimmer. Auf dem Tisch standen Brötchen und es duftete nach den süßen Aufstrichen.
In dem Moment hörte ich recht deutlich, dass ich an diesem Morgen fasten sollte.
Das hatte ich schon oft getan – heute Morgen fiel es mir jedoch nicht so leicht wie sonst.
Aber gut, ich hatte so oft erfahren, dass es sich lohnte auf Gottes Stimme zu hören.
Ich nahm meine Bibel und mein Schreibzeug und setzte mich trotz Getümmel meiner Familie damit an den Tisch. Die gelesenen Kapitel stärkten mich und eröffneten mir auf vieles einen heilsamen Blick. Während mein Magen knurrte und ich die Köstlichkeiten roch, hatte ich immer wieder Sätze im Kopf wie: „Mein Wort sättigt dich. Deine Kraft kommt aus mir.“
Nebenbei besprach ich mit meinen Jungs, wie die frisch angedachte Bibel-Challenge
mit Freunden für sie dieses Jahr aussehen könnte.
Während ich noch las, klingelte es und der Briefträger brachte zwei Päckchen.
Eins davon war in Weihnachtspapier eingeschlagen. Ein unverhofftes Päckchen im Januar.
Ich freute mich und ließ es zunächst ungeöffnet.
Schließlich hatte ich alles gelesen und aufgeschrieben, was ich wollte, nahm die Schere und öffnete das Weihnachtspäckchen: Lauter Süßigkeiten: Schokolade, Weingummi und eine große Karte in rotem Umschlag.
In der Karte stand als erstes der Bibelvers:
„Dein Wort ist meine Lieblingsspeise, es ist süßer als der beste Honig.
Dein Gesetz macht mich einsichtig und klug, deshalb ich mir jede Art von Falschheit verhasst. Dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet.“ (Psalm 119, 103-105)
Ich fühlte mich beschenkt und bestätigt. Gott ist gut. Sein Timing ist in jeder Situation perfekt.
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Ursula dagegen war so ruhig im Gespräch auch mit der deutschen Botschaft und dem Regierungspräsidium in Deutschland, dass sämtliche Zuhörer am Telefon staunten. Sie hatte von Gott die für sie nötigen Zusagen und somit Zuversicht erhalten.
Gemeinsam mit ihrer Tochter bestanden sie darauf, dass sie Hilfe nur annehmen würden, wenn auf jede Form der Gewaltanwendung verzichtet werden würde.
Bei Gottfried ließ sich der Boss persönlich zu einem Gespräch mit ihm herab. Zunächst marterte er ihn mit Fragen nach Ursula und ob er sie liebe und nicht gerne hier bei sich haben wollte. Doch als der deutsche Gefangene ihm versicherte, dass er sein und das Leben seiner Frau in Gottes Hand wisse, wollte er doch mehr erfahren und selbst eine Geschichte hören.
Ohne groß nachzudenken, sprudelte aus Gottfried die Geschichte aus dem alten Testament von David, seinem Ehebruch mit der Frau Batseba, dem Mord an ihrem Mann und seinen Lügen heraus.
Als er an die Stelle kam, wo David vom Propheten Nathan zur Rede gestellt wurde, zeigte sein Finger auf den Boss persönlich, als er die Anklage zitierte: „Du bist der Mann!“
Alles verstummte entsetzt.
Doch kein Wutausbruch, keine Gewalt folgten. Sondern weiteres Interesse und Nachfragen.
Schließlich wurde das Lager geräumt und Gottfried wieder auf einen kleinen LKW verladen.
Weiter unten im Tal wurde weiterverhandelt und diskutiert. Erst sollte Ursula ganz allein kommen, was Gottfried zu verhindern suchte.
Schließlich erhielt diese die Erlaubnis im Auto eines Freundes gemeinsam mit diesem zum Treffpunkt zu fahren.
Einmal, zweimal fuhren sie in der Dämmerung die beschriebene Strecke entlang.
Von Gottfried keine Spur.
Als die Übergabezeit längst verstrichen und es stockdunkel geworden war, stellten die Verbrecher ein Ultimatum und erlaubten dem Entführten schließlich sich mit einem Zweig und einem Stück Karton allein an die Straße zu stellen. Der hatte immer wieder gebetet: Herr, stärke meine Nerven und meinen Glauben.“
Ein Auto nach dem anderen rauschte vorbei, bis zuletzt ein Wagen hielt.
Das abgesprochene Kennzeichen fehlte, doch Gottfried konnte die Stimmen zuordnen.
Endlich konnte er seine Ursula tränenüberströmt in die Arme schließen.
Gottes Zusage war eingetroffen: „Der Gefangene wird eilends losgegeben, dass er nicht sterbe und begraben werde“*.
Ich muss gestehen, dass ich eine solche Form von Krimi doch ganz spannend finde.
Natürlich auch, weil es gut ausgegangen ist, aber vor allem, weil Gottes Liebesspur überall zu finden ist.
So sind nun meine geblümten Tassen mit noch weiteren Erinnerungen behaftet und rufen mir die Treue und Verlässlichkeit Gottes umso mehr ins Gedächtnis.
*(https://www.bibleserver.com/LUT/Jesaja51LUTH., gefunden am 23.10.2023, 17:05h)
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