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Wann ist genug?

Daniela Irle

10. Juni 2021

Ich unterhalte mich mit meiner Freundin Susanne.
Was mich gerade beschäftigt, wie alles so läuft. Oberflächliche Gespräche gibt’s bei uns nicht.
Ich kann sofort teilen, welche Gedanken ich die letzten Tage hatte.

Herztöne.-Lauschen-auf-den-Klang-des-Leben

© Foto: Daniela Irle

Alles fing damit an, dass meine Kinder wieder von einem Tag auf den anderen erstmals in diesem Jahr wieder „normal“ zur Schule gingen.
Zuerst fiel es nicht so auf, weil ich noch so k.o. war, weil noch Arbeiter am Haus zu Gange waren,
weil der Stress der Umstellung mit allen organisatorischen Fragen rundherum intensiv war und weil spontane Anfragen an mich herangetragen wurden.
Für die zweite Woche nahm ich mir eine ganze Menge vor – kam aber nicht so richtig zum Wesentlichen.
Vieles war liegengeblieben, zu viel musste angepackt werden.
Ich fühlte mich hin- und hergerissen.
Zwischen „Oh, ist es schön ruhig, was fange ich als Nächstes an.“
Und „Hilfe, ich schaffe nicht so viel, wie ich möchte, und vor allem nicht, was ich möchte.“
Und… „Warum lasse ich mich ständig vom Wesentlichen abhalten?“
Und was ist eigentlich wesentlich?
Das, was ich mir als Ziel gesetzt habe, oder dass wir als Familie klarkommen,
ich endlich unseren Kram durchsortiere und ich für alle ansprechbar bin?
Ich stolpere über ein Zitat von Mutter Teresa: „Wer eine Familie hat, soll nach Hause gehen und sich um seine Familie kümmern.“*
Aha. Gut. Tue ich. Reicht das? Mache ich es gut genug?
Gefühlt nicht. Mir fällt immer wieder etwas ein, was ich vergessen habe:
Furchtbar unsortierte Kleiderschränke, ein Geburtstagsgeschenk, das besorgt werden muss,
und die Wäscheberge haben eh kein Ende.
Lottas Geburtstagseinladungen sind noch immer nicht raus und wann habe ich eigentlich zuletzt wirklich mit den Kindern gespielt?
Ich frage mich, warum ich nicht organisierter bin und ob ich zu selten „Nein“ zu etwas sage…
Zwischendurch ertappte ich mich beim Gedanken,
dass ich mit allen Kindern zu Hause weniger unter Druck gewesen war.
Ich hatte weniger Erwartungen an mich selbst, produktiv zu sein. Funktionieren hat gereicht.

Jetzt, wo es wenige Stunden ruhig war, erwartete ich von mir, echt mal was wegzuschaffen.

Hmm. Leistungsdenken wollte ich doch schon vor Jahren archiviert haben.  
So als abgestellten Ordner höchstens zum Staubabpusten.
Eigentlich habe ich doch schon einiges für mich erkannt.
Z.B., dass es für mich wesentlich ist, am Morgen, am besten noch im Bett, in der Bibel zu lesen,
rauszuschreiben, zu hören, was Gott mir sagt.
Wenn mir das gelingt, ist auf jeden Fall schon viel gewonnen.
Meine morgendlichen Grübelgedanken werden umgelenkt und etwas geradegerückt.

Susanne kann mich gut verstehen. Sie bringt die Bibel im Gespräch auf den Tisch.
Sie erzählt von drei Geschichten, die für sie augenöffnend waren.
In allen kam „Was ist genug?“ auf unterschiedliche Weise zur Sprache.

Adam und Eva: Weil das Paradies nicht genug ist, lassen sich die beiden verleiten vom Baum der Erkenntnis zu naschen.
Ihr Wissen und ihre Erfahrung sind ihnen nicht genug.
Was????? Das Paradies!!! hat nicht gereicht.
Erst jetzt beim Aufschreiben wird mir die Tragweite dieser Wahrnehmung so richtig bewusst.

Das Volk Israel in der Wüste: Gott schickt ihnen „Manna“, das Brot der Engel. Sie dürfen es täglich als Geschenk sammeln.
Es reicht dem Volk nicht…
Nicht genug.

Schließlich Jesus: Er tut Wunder, er heilt –
das ist den frommen Zuschauern, den Pharisäern, den Schriftgelehrten nicht genug.
Nee, oder? Was Jesus tat, war nicht genug?

Ich schlucke und staune einmal mehr über die Fülle an Wahrheit und Erfrischung aus der Bibel.

„Wann immer der Gedanke kommt, dass du nicht genügst,
weißt du, dass er direkt aus der Hölle kommt.“, sagt Susanne.

Ich beschließe, diesen Satz in meiner Küche sichtbar aufzuschreiben: Ich genüge. Oder: Du genügst.

Dort hängt schon seit einiger Zeit: „Meine Gnade ist alles, was du brauchst. Meine Kraft zeigt sich in deiner Schwäche.“ 
Auswendig kenne ich den Vers aus 2. Korinther so. „Lass dir an meiner Gnade genügen…“

Gnade ist genug.
Die Gnade zu sein ist genug.
Ich genüge.

Ich kann Frieden mit meinen Grenzen schließen.

Eigentlich weiß ich es. Im Alltag braucht es die Erinnerung durch so ein Gespräch wie mit Susanne.

Dann kann ich nochmal neu hinterfragen:
Was ist im Alltag wesentlich? Muss ich etwas schaffen, bis ich hechele und erschöpft aufs Sofa falle?
Was ist ein gesundes Maß an Produktivität und Entspannung?
Wer kann mir dabei helfen, gute Entscheidungen für mich zu treffen?

Oft merke ich erst hinterher, wenn etwas zu viel war.
Im Tun und Machen ist es oft schwierig zwischen „gut, genug, zu viel“ zu entscheiden.
Wie im Hochbeet zwischen Rucola und dem dazwischen wachsenden Löwenzahn…

Ich mache mich jeden Tag neu auf den Weg.

Was hilft dir, auf deinem Weg zu genügen, gute Entscheidungen zu treffen?

 

*(Ich habe es in einer Zeitschrift gelesen, die ich partout nicht mehr finden kann… Falls jemand das Zitat bestätigen kann, bin ich dankbar für einen Hinweis.)

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