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Schlaf, schlafen am schläfrigsten

Daniela Irle

20. Dezember 2023

Neulich stand ich kurz nach 8 Uhr morgens in der Nachbarschaft bewaffnet mit Medikament und Hühnersuppe an der Tür.
„Na, wie war die Nacht?“ fragte ich vorsichtig.
„Total furchtbar. Schön gleichmäßig aufgeteilt, damit jeder etwas davon hat“, bekam ich als ehrliche Antwort.
Ich konnte es mir vorstellen.

Im Nachhinein fragen wir uns oft, wie wir jahrelang die Nächte mit zahllosen Unterbrechungen bewältigt haben.
Ich weiß noch genau, dass ich irgendwann nach dem vierten Kind nicht mehr konnte. Für einige Monate zog ich nachts allein ins Gästezimmer um, damit ich tagsüber wieder Kraft für alle Herausforderungen hatte.
„Schlafentzug ist eine Foltermethode“, hatte mir mal eine andere Mutter gesagt, als ich übermüdet durch die Gegend lief.

Interessant, wozu uns das wohl bringen soll…
Vielleicht zu weniger Stolz? Vielleicht um zu erkennen, dass die besten Vorsätze manchmal einfach nicht zu halten sind, weil man einfach zu müde ist?
Vielleicht Barmherzigkeit mit Menschen, die es nicht so leicht im Leben haben?
Vielleicht die Erkenntnis, dass manches wirklich nicht aus eigener Kraft zu schaffen ist?
Es gab Tage, an denen ich aufstand und mich fragte, wann ich als nächstes wieder schlafen könnte.
Tage, an denen die Kraft einfach nur zum Funktionieren reichte.
Es gab Winter, an denen wir es kurz vor dem Dunkelwerden erst vor die Tür schafften. Während die Größeren Hilfe beim Anziehen brauchten, schrie das Jüngste oder machte sich in die Hose. Das Prozedere alle anzuziehen dauerte manchmal fast so lange wie die Zeit vor der Tür draußen.
Wenn ich heute ausnahmsweise eine ähnliche Nacht wie früher durchlebe, erinnere ich mich lebhaft an das Gefühl von Hilflosigkeit, Überreiztheit und auch manchmal Verzweiflung.

Heute möchten meine Kinder ebenso wie wir nicht gerne aufstehen. Zu dunkel ist es am Morgen und zu gemütlich das Bett. In der Nacht kommen sie nur noch, wenn wirklich etwas ist. Ein schrecklicher Traum, Übelkeit oder andauernde Schlaflosigkeit. Abends schlafen sie im Winter zum Glück auch deutlich eher als im Sommer. Und nicht nur sie…
Einmal kam ich von einem Elternabend nach 21 Uhr nach Hause. Leider hatte ich meinen Schlüssel vergessen. Das Licht brannte, ich klopfte an der Tür. Nichts tat sich. Ich ging an der Veranda um die Ecke. Keine Chance, alle Türen waren zu. Ich rief meinen Mann an. Keine Reaktion. Ich rief auf dem Festnetztelefon an. Nichts. Nur Tuten. Ich klingelte an der Tür, mehrfach. Lange.
Da kam allmählich der Moment, an dem ich überlegte, bei den Nachbarn auf der Couch für die nächste Nacht einzuziehen.
Ich klingelte noch einmal, hämmerte an die Tür… Schließlich fiel mir die Kellertür ein. Es wäre zwar unwahrscheinlich… aber unglaublicherweise war sie offen.
Etwas aufgebracht machte ich mich auf den Weg ins nächste Stockwerk zu den Schlafzimmern. Tief und fest schlafend fand ich meinen Mann neben unserer Jüngsten liegen.
Diese ist auch heute noch sehr kuschelbedürftig und schafft es oft nicht ohne Körpernähe alle Reize des Tages allein zu verarbeiten. Das kostet mich so manchen Abend. Neulich verriet sie meinem Mann ihren Trick: „Immer, wenn die Mama aufstehen will, drücke ich sie ganz fest an mich und dann schläft sie wieder ein.“
Ehrlich gesagt glaube ich, dass unsere Welt im Winter für alle glücklicher wäre, wenn man morgens eine Stunde länger und abends eine früher im Bett hätte.

Meine Nachbarn sehen übrigens für ihre Nächte immer unfassbar gut aus und kriegen ganz schön viel trotz allem auf die Reihe. Zum Beispiel Torte für einen Geburtstag bei uns oder das Adventscafé der Schule…

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